Sa

24

Sep

2011

Blaue Giraffe

Kiosk vorm Hotel Fasano
Kiosk vorm Hotel Fasano

Mein Freund Frank

hat meinem Fahrrad

den Namen "Giraffe" gegeben,

weil es so überdimensioniert ist.

Zum Dank dafür,

dass ich es ihm

während seines letzten Rio-Urlaubs geliehen hatte,

stattete er es mit einer Hupe aus,

die jetzt am Lenkrad prangt und aussieht,

wie ein Blaulicht.

 

Gerade eben hätte ich sie besser benutzt,

stattdessen träumte ich.

 

War fasziniert von den Kite-Surfern,

die im dunkelgrauen Himmel Ipanemas

den Wind in eigene Energie umwandeln,

genau wie es mein Freund Günter in Flensburg tut.

 

War noch geflashed von dem Kreischen der Fans,

die in großer Zahl

vorm Hotel Fasano wartend

wahrscheinlich einem Red Hot Chili Pepper

oder gar Rihanna begegnet waren.

 

Habe meine Tochter beneidet,

die eine Karte für die heutige zweite Nacht bekommen hat,

in der Rock in Rio mit den Red Hot Chili Peppers

bestimmt Musikgeschichte schreiben wird.

 

Mich daran erinnert,

wie ich gestern auf dem Sofa

gleichzeitig im Fernsehen

Rock in Rio live

und auf dem Iphone

die Tagesschau

mit einem Bericht

über den Papstbesuch

in Deutschland sah.

 

Darüber nach gesonnen,

dass unser Portier Lindolf

gerade mein Auto wusch,

als ich die blaue Giraffe

für diesen Ausritt sattelte.

Mich gefragt, wie mir diese Szene vorkommen mag,

wenn ich mich irgendwann zurück

in Deutschland

daran erinnern werde.

 

Da war plötzlich

dieses kleine Mädchen mit langen Haaren

aus dem Pulk ihrer Großfamilie herausgerissen

auf dem Fahrradweg

am Ende von Leblon.

Die Vorderbremse gewann

so stark

gegen die Hinterbremse,

dass sich die Giraffe

hinten auf bäumte

und mich abwarf,

wie ein bockiges Rindvieh.

Zum Glück hatte

Gott

vollstes Verständnis

für die gesamte Situation

und ließ alles in Zeitlupe ablaufen.

Ich sah das Mädchen,

das trotz ihres Schreckens

meinen Sturz

mindestens mental

zu verhindern versuchte,

und so blieb ich

ganz und gar

unverletzt.

Der große Bruder

stellte die Giraffe wieder auf,

die Mutter war froh,

dass eine Klärung der Schuldfrage

absolut bedeutungslos war,

die kleine Schwester

guckte mir

noch lange hinterher.

 

Ich war euphorisch vor Freude,

dass das Fahrrad

rechtzeitig zum Bocken

gekommen war.

Ich war

plötzlich

wieder ich.

 

Der Rückenwind

ließ mich weiter träumen,

und als ich

auf dem ganz neuen

und pechschwarzen Asphalt

der Rua Figueiredo Magalhães

schon fast

wieder zu Hause war,

konnte ich

die Dominanz

die mein Wohnort

auf mein gesamtes Leben hat

und die mich manchmal stört

für heute akzeptieren.

 

 

 

Fans vor dem Hotel Fasano in Ipanema
Fans vor dem Hotel Fasano in Ipanema

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Kommentare: 4

  • #1

    Juergen Kuehn (Sonntag, 25 September 2011 09:38)

    Lieber Robert, d.Neigung zum Fahrrad liegt in unseren Genen.
    Dein Vater u. ich hatten keine Raeder, weil unsere Eltern zu arm waren u. sich zu sehr um uns aengstigten. Mein 1.Rad hiess Felix u. wurde mir '51 in BN gestohlen. D. Rahmen d.jetzigen Rads v.'68 ist schon 2 x gelötet u.1 x gestohlen u.v.d.Polizei wiedergefunden. Ich beneide Dich um d.Giraffe. So heissen in Belgien d.Gestelle, mit denen d. Infusionsflaschen am Bett aufgestellt werden. Damit kann man durch d.Hospital spazieren.Weiter viel Glück!

  • #2

    Isa (Sonntag, 25 September 2011 15:50)

    das hast du sehr traumhaft beschrieben, tolle bilder in meinem kopf!

  • #3

    Hiltraud (Montag, 26 September 2011 17:38)

    Hast Du aber großes Glück gehabt, mein lieber Sohn, musst nicht träumen auf der schicken Giraffe....auch wenn es kein E-Rad ist. Ich hatte einen wunderschönen Geburtstag, aber leider ohne Euch.

  • #4

    Andi (Freitag, 07 Oktober 2011 19:32)

    Toll geschrieben! Die Straße beim Kiosk vor dem Hotel Fasano sieht übrigens aus wie fast jede Straße in Lissabon. An diese generell schönen Straßen hab ich mich in einer Woche Portugal so sehr gewöhnt und muß mich hier in Flensburg wieder an die mit Schlaglöchern von vor zwei Jahren gespikten Straßen im zerbröckelnden Asphalt gewöhnen, und das dauert viel länger.
    Und danke an Jürgen Kühn für die tolle Info mit den belgischen Infusionsflaschengestellen. Eine ansich nutzlose Information, die ich aber mein Leben lang nicht vergessen werde. Wenn ich deswegen ne Million bei Günter Jauch gewinnen sollte, kriegt er was ab ;)

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